Einsam statt gemeinsam

Bildung in Corona-Zeiten

„Digitalisierung ist sinnvoll und wichtig, aber kann das menschliche Miteinander nicht ersetzen“

Als Autor, Honorarprofessor an der Hochschule Furtwangen University, Trainer, Coach und Kommunikationsexperte, Berater und Inhaber der Firma Hoyer Consult habe ich meine Profession – Menschen kommunikativ besser zu machen – vor knapp 20 Jahren zum Beruf gemacht. Ich trainiere das, wofür ich lebe: Wertschätzende, direkte und respektvolle Kommunikation. Ob Workshops, Seminare, Coachings oder Diskurse. Projekte, kleine oder große Gruppen –mit meinem Wissen und meinen Kompetenzen stehe ich seit vielen Jahren den Menschen zur Seite. Unsere Kunden sagen, dass die Schulungen beflügeln, inspirierend und frisch sind. Sie begeistern Mitarbeiter, Manager und Unternehmer gleichermaßen. Seit die Corona-Pandemie das Weltgeschehen im Griff hat, fallen gewohnte Schulungen, Coachings und Workshops aus bzw. werden online oder in Form von Webinaren durchgeführt.

Die Durchführung von Seminaren wie wir sie kennen, gibt es derzeit einfach nicht. Wir sind jetzt gefordert umzudenken. Einige Seminaranbieter werben bereits mit breitgefächerten Online-Angeboten. Ich halte davon nicht allzu viel. Ich bin davon überzeugt, dass die Online-Angebote auf Dauer nicht zielführend sind.

Ich bin der Meinung, dass ein digital durchgeführtes Soft-Skill-Seminar niemals so gewinnbringend für die Teilnehmer ist, wie ein Seminar, bei dem Trainer und Teilnehmer zur gleichen Zeit am gleichen Ort physisch zusammentreffen. Und doch habe ich bereits selbst Online-Seminare für Firmen in den vergangenen Tagen/Wochen durchgeführt.

Ich habe in der letzten Zeit immer öfter Anfragen von langjährigen Geschäftspartnern erhalten, die gerne auch weiterhin für ihre Mitarbeiter im Home-Office Seminare durchführen möchten. Da fällt es einem als Geschäftspartner und Unternehmer schwer zu sagen, dass wir auf diesen Zug nicht aufspringen werden. Keinesfalls bin ich ein Gegner der Digitalisierung. Schließlich habe ich auch Medieninformatik studiert. Doch wir müssen aufpassen, dass wir jetzt nicht in Aktionismus verfallen, der uns allen nicht guttut.

Klar ist, dass wir zurzeit – und das wird wohl auch noch ein paar Wochen/Monate andauern – nur schwer Präsenzveranstaltungen durchführen können. Daher ist ein hybrides Seminar bzw. Coaching durchaus vorstellbar. Reine Wissensvermittlung kann in kurzen Lehreinheiten online besprochen bzw. vermittelt werden. Individuelle Lehrinhalte lassen sich zweidimensional auf einem Bildschirm hingegen nur sehr schwer abbilden. Dass die Digitalisierung das Bildungswesen verändern wird, war bereits vor Corona zu erkennen. Die Präsenz der Teilnehmer bei Schulungen oder Coachings, in denen Wissen und Soft Skills vermittelt werden, sehe ich als notwendig an.

Ein befreundeter Unternehmer, der in der Software-Branche tätig ist, sagte mir vor ein paar Tagen, dass er wieder einmal eine dieser langweiligen Online-Schulungen „absitzen“ müsste. Zum Glück verfügt er an seinem Arbeitsplatz über drei Bildschirme. Auf dem einen läuft dann die Schulung – und auf den anderen beiden laufen dann Social-Media und ein Spieleprogramm. Ja – so kann man natürlich auch Seminare und Schulungen durchführen. Ich möchte, dass die Coachees bzw. die Teilnehmer des Seminars sagen: „Wow, das hat mich weitergebracht“.

Das Wort „Lehrauftrag“, so wie es an Hochschulen und Universitäten geführt wird, hat einen tiefen Sinn. Man wird beauftragt, Lehrinhalte zu vermitteln. Das kann man gut und sehr gut machen. Dinge zu tun, damit sie getan sind, halte ich in der heutigen Zeit für reine Verschwendung. Ich möchte den Seminarteilnehmern einen echten Mehrwehrt bieten.

Präsenz & Praxis – diese beiden Faktoren sind so wichtig in der Wissensvermittlung und im Verständnis.

Weiterhin fehlt bei Online-Seminaren die persönliche und direkte Interaktion mit den Teilnehmern. Natürlich gibt es immer den Chat bei Webinaren, bei denen die Teilnehmer ihre Fragen eintippen können. Aber mal ehrlich: Einen zwischenmenschlichen Bezug schafft man eben sehr viel einfacher und leichter, im persönlichen Umgang mit den Menschen. Auch der Stil des Vortrags/Seminars ist ein anderer geworden. Es ist äußerst herausfordernd, humorvoll und motiviert allein vor einer Kamera zu agieren und die Teilnehmer dadurch zu bewegen. Es wirkt alles andere als authentisch und echt. Die direkte Rückmeldung, ein gemeinschaftliches Miteinander fehlt mir auf diese Art und Weise. Bei Online-Seminaren ist weiterhin zu beachten, dass die Teilnehmer auf Dauer nicht so präsent sind, wie es bei einem physischen Seminar der Fall ist. Die Aufmerksamkeit sinkt schneller und das gesprochene Wort zeigt aus meiner Sicht nicht mehr die volle Wirkung.

Diese Thematik betrifft alle Bildungseinrichtungen gleichermaßen. In verschiedenen Studien haben Forscher nun herausgefunden, dass die Online-Wissensvermittlung für Menschen im Home-Office noch viele Schwachstellen aufweist, die es zu verbessern gilt. Neben dem Engagement und einem hohen Maß an Eigeninitiative der Beteiligten, ist die technische Ausstattung jedes Einzelnen gefragt. Nicht jeder Teilnehmer ist gleich motiviert und hat Freude am digitalen lernen.

Fazit:
Bildung ist und bleibt ein grundlegendes Menschenrecht und ist wichtig für unsere Entwicklung. Auch in Zeiten einer Viruserkrankung erachte ich es als wichtig und notwendig, Fort- und Weiterbildung – egal in welcher Form – für jedermann zugänglich zu machen. Es ist eine Investition in die Zukunft und sie trägt in gewissem Maße zur Entwicklung und Wirtschaft eines Landes bei. Ob nun in der Schule, im Studium oder im Bereich der Fort- und Weiterbildung.

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