Ist der Händedruck bald Geschichte

Zur Begrüßung oder Verabschiedung – das Händeschütteln gehört bei uns Mitteleuropäern einfach dazu und ist seit Jahrtausenden ein stetes Ritual in unserer Gesellschaft. Doch in Zeiten von Corona raten viele Experten und Virologen davon ab, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Eine verständliche Schlussfolgerung. Aber nicht nur bei uns in Deutschland ist der uralte Ausdruck nonverbaler Kommunikation in diesen Tagen und Wochen verpönt. Weltweit halten sich die Menschen zurück. Doch wie begrüßen wir uns jetzt? Anstatt einfach nur „Hallo“ oder „Guten Tag“ zu sagen, klatschen wir jetzt mit den Ellenbogen oder den Füßen ab. Muss eine Alternative her?

Warum begrüßen sich die Menschen per Händedruck?

Das Händeschütteln wurde uns bereits in die Wiege gelegt. Von klein auf lernen wir, aus Anstand und Respekt, der Tante, dem Onkel zur Begrüßung oder Verabschiedung die Hand zu geben. Bitte, Dankeschön sagen ebenso wie der Handschlag sind Erziehungsrituale, die sich so stark bei uns einprägen, dass sie zu einem Automatismus werden. Ohne großartig nachzudenken, reichen wir die Hand. Auch dann, wenn es uns bei manchen nicht danach zu Mute ist.

Bis heute kann nicht nachvollzogen werden, wie lange wir Menschen in unserer Menschheitsgeschichte schon einander die rechte Hand reichen. Ob wir sie greifen, drücken, streicheln und auch wirklich schütteln – keiner weiß, wer damit angefangen hat. Wir wissen nur, dass es dieser Brauch geschafft hat, viele Jahre zu überstehen.

Der berühmte Handshake war auch schon zu Zeiten der Römer ein beliebtes Begrüßungsritual. Nicht selten findet man auf der Rückseite römischer Münzen zwei ineinanderliegende Hände, die eine Einheit und einen freundschaftlichen Pakt symbolisieren sollen. Zu den damaligen Zeiten galten aber auch ganz andere – schockierende – Maßnahmen. Dieben wurde zur Strafe der kleine Finger abgehackt. Bei einem Händedruck konnte das Gegenüber gleich erkennen, ob er es mit einem ehrlichen Menschen zu tun hat. Die Hände waren bereits damals der Spiegel der Seele und sind es auch heute noch.

Genau das Gleiche sehen wir bei beliebten Redewendungen wie „Hand drauf“, „Dem musst Du auf die Hände schauen“, „Schlag ein“ oder „Mit einem Handschlag besiegeln“.

Der Handschlag ist schon so alt, dass wir nicht nachweisen können, wie lange es ihn bereits gibt. Bereits in der Bibel wurde er schon erwähnt. Im Neuen Testament ist nachzulesen, dass Paulus in Jerusalem zur Verabschiedung „die rechte Hand der Freundschaft“ gereicht wurde.

Doch der Handschlag ist auch ein Symbol gewaltfreier Gespräche. Im Mittelalter drückte der Handschlag aus, dass man keine Waffe in der Hand trug und somit in Frieden kommt.

Wie wichtig ist der Händedruck?

Der Händedruck ist nach wir vor eine wichtige zwischenmenschliche Geste, die Vertrauen, Verbundenheit, Freundschaft und Einverständnis unterstreicht und dem gesprochenen Wort durch unsere Körpersprache noch mehr Ausdruck und Stärke verleiht.

Der Händedruck ist Teil unserer Kultur und ein Wahrzeichen unserer Körpersprache. Bereits unser ehemaliger Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière hat in einer Leitkultur für Deutschland in 10 Punkten zusammengefasst, was uns im Innersten zusammenhält. Im Punkt 1 steht geschrieben:

  1. „Wir legen Wert auf einige soziale Gewohnheiten, nicht weil sie Inhalt, sondern weil sie Ausdruck einer bestimmten Haltung sind: Wir sagen unseren Namen. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand. Bei Demonstrationen haben wir ein Vermummungsverbot. “Gesicht zeigen” – das ist Ausdruck unseres demokratischen Miteinanders. …“

Die Nennung des Händedrucks zur Begrüßung in einer Leitkultur für Deutschland ist bemerkenswert und zugleich auch überraschend positiv.

 Macht Corona dem Händedruck den Garaus?

In unterschiedlichen Teilen der Welt herrschen unterschiedliche Begrüßungsrituale. Während der Händedruck zur Begrüßung in Deutschland distanziert wirkt, mag die Begrüßung in südländischen Regionen mit Umarmungen sowie einem Küsschen rechts und links viel intimer und herzlicher erscheinen. Es gäbe auch noch den Gong-Shou-Gruß aus China, bei dem eine Faust in die senkrechte Handfläche gelegt wird, der Hongi aus Neuseeland, bei dem man Nase an Nase den Lebensatem des anderen spürt, der indische Gruß Namaste bei dem die Handflächen vor der Brust zusammengeführt  werden. Diese Begrüßungsrituale sind so alt, dass Kommunikation die jahrtausendelang bestanden hat, auch in Zukunft bestehen wird. Unsere Sprache mag sich schnell verändern, doch unsere Körpersprache ist eine sehr intuitive Kommunikation, die wir verinnerlicht haben und reflexartig einsetzen.

Gibt es nach Corona ein neues Begrüßungsritual?

Wenn wir, bedingt durch geregelte Schutzmaßnahmen, zukünftig auf den Händedruck verzichten müssen, wünsche ich mir eine Alternative. Einen „freundlichen Augenblick“, so will ich es nennen, könnte ich mir an dieser Stelle gut vorstellen. Ein intensiver und freundlicher Blick in die Augen unseres Gegenübers. Wir müssen dafür nicht einmal viel tun, denn der Augenkontakt – egal bei welchen Lebewesen – gehört zum Kontaktsignal Nummer 1 – da schauen wir gleich als erstes hin. Diesen zu intensivieren finde ich eine schöne Alternative.

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