Urteilsbildung: Ich weiß schon wer Du bist

Viele Menschen glauben, dass es egal ist, wie unsere Körperhaltung und -spannung ist. Dass fachliche Kompetenz mehr zählt als das Erscheinungsbild. Nach dem Motto: Auf den Inhalt kommt es an, nicht auf die Verpackung. Doch leider lassen Menschen sich von dem Beeinflussen, was die Augen wahrnehmen. Denn schon früh war der Mensch darauf angewiesen das Gesehene als etwas Sicheres oder Gefährliches einzuschätzen. Und das ging auf Distanz. Unmittelbar.

Wir gehen hart ins Gericht. Tag für Tag und mit jedem einzelnen Menschen, der unseren Weg kreuzt. Dabei tun wir es nicht etwa aus Boshaftigkeit. Es geschieht mehr wie eine Art Automatismus. Wir bilden Entscheidungen über unsere Mitmenschen in Sekundenschnelle. Wir lernen eine unbekannte Person kennen und augenblicklich beginnen wir, diese einzuordnen. So warten wir prompt mit einer ersten Einschätzung auf.

In Studien fand man heraus, dass der erste Eindruck intuitiv bereits nach 0,1 Sekunde entstehen kann. Dieser Prozess des „ersten Eindrucks“ ist auch maßgeblich an der Vertrauensbildung beteiligt. Ob wir jemandem vertrauen oder nicht entscheiden wir nämlich als Erstes. Wenn wir uns überlegen, dass diese Intuition aus der Urzeit stammt, klingt es logisch. Ein Lebewesen – egal ob Tier oder Mensch – sollte in der Lage sein, möglichst schnell erkennen zu können, ob Gefahr lauert oder nicht. So läuft dieser Prozess ganz selbstverständlich und zu unserem Nutzen ab.

Ohne je eine Unterhaltung geführt zu haben, bekommen wir also non-verbal bereits eine vorläufige Impression. Und von der lassen wir uns dann auch nicht mehr so einfach abbringen. Aber was genau passiert während dieser bedeutenden Sekunden? Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Und an was machen wir sie denn dann genau fest?

An charakterlichen Merkmalen können wir unsere Klassifikationen in so kurzer Zeit sowieso nicht festmachen. Wir greifen also zurück auf ganz primitive Maßnahmen und bewerten rein nach dem Erscheinungsbild. Wir machen anhand von äußerlichen Merkmalen fest, ob wir ein fremdes Gegenüber für schlau, einflussreich oder kompetent halten. Die Wahl der Kleidung spielt hier eine enorm große Rolle. Erscheint die betreffende Person in ordentlichem Look oder trägt sie kostspielige Kleidung? Renommierte Markenkleidung lässt uns nämlich indirekt auf einen hochrangigen Posten schließen, weshalb wir wiederum auf beruflichen Erfolg spekulieren. Die Art des Blickkontakts verrät zudem einiges über das Selbstbewusstsein. Kann jemand Blickkontakt lange aufrechterhalten, sind wir der Auffassung, dass dies ebenso mit Selbstsicherheit einherzugehen scheint.

Ein Beispiel: Wir betreten einen Raum und erblicken diverse unbekannte Gesichter. Noch bevor die Begrüßungsrunde überhaupt beginnen kann, haben wir uns innerhalb eines kurzen Augenblicks eine Vorstellung davongemacht, ob wir die Personen im Raum für vertrauensvoll erachten. Der entscheidende Moment des Kennenlernens ist also bereits passé bevor ein wesentliches Wort gefallen ist

Stellen Sie sich eine Situation vor. Zwei Personen sind in dem Raum. Beide haben ein gepflegtes Erscheinungsbild und tragen Kleidung anerkannten Marken. Das erzeugt in uns die positive Resonanz, dass die beiden einen hohen Rang in dieser Firma besitzen müssen. Beide gehen mit aufrechter Körperhaltung auf uns zu und begrüßen uns mit einem festen Händedruck, dabei sehen sie uns direkt in die Augen. All das zeugt von einem hohen Selbstbewusstsein und lässt die beiden sehr kompetent wirken.

Zur Verdeutlichung greifen wir auf dieselbe Ausgangssituation noch einmal zurück. Wir betreten einen Raum, ohne zu wissen, was uns erwartet. Wir erblicken erneut zwei Personen. Die eine Person wirkt deutlich ungepflegt. Die fettigen Haare sind sofort erkennbar, die Person trägt eine ausgewaschene Jeans. Der Händedruck ist lasch. An den Armen der anderen Person sind zahlreiche Narben zu sehen und die Kleidung ist nicht nur ungepflegt, sondern auch schmutzig. Die Person scheint verunsichert, denn sie weicht unserem Blick aus.

Mit wem würden sie lieber Zusammenarbeiten. Wem würden Sie bei gleicher fachlicher Kompetenz mehr vertrauen. Körpersprache ist ein häufig vernachlässigter Aspekt in der Kommunikation. Wenn Sie sich des ersten Eindrucks bewusst sind, haben Sie die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln eine große Wirkung zu erzielen und auch im Gespräch als seriös sowie vertrauenswürdig wahr- und ernstgenommen zu werden.

Körpersprache isoliert betrachtet liefert evtl. isolierte Ergebnisse. Körpersprache in Verbindung mit der verbalen Kommunikation wirkt stets als ein Ausrufezeichen oder ein Fragezeichen. Körpersprache unterstützt das gesagte Wort – oder stellt es in Frage.

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